Salla Kuhmo

Mein Name ist Salla Kuhmo. Ich komme aus Finnland, ich lebe in Deutschland und ich bin Künstlerin.

 

Mein Vater war ein leidenschaftlicher Jäger, so wie sich das für einen richtigen Finnen gehört. Im Wald kannte er sich bestens aus – dort war seine Heimat. Gemeinsam durchstreiften wir die endlosen Kiefernwälder der Nordfinnischen Taiga und auf der Jagd lehrte er mich, wie ein Jäger seiner Beute auflauert. Ich lernte das Warten auf den Schuss, den richtigen. Je größer desto besser, pflegte mein Vater zu sagen, je größer desto besser. Elche waren daher besonders gute Beute. Das Fleisch von zwei erlegten Elchen reicht für ein ganzes Jahr, so mächtig sind sie. Elche waren unsere Lieblingsbeute.

 

Heute lebe ich in Deutschland. Ich bin auch Jägerin geworden. Kamera statt Flinte. Stadt statt Wald. Kleine Alltäglichkeiten statt großer Elche. Fette Beute! Der Schuss tötet nicht, er schneidet heraus, zerschneidet Realität, mumifiziert Zeit. Inzwischen bin ich Besitzerin einer stolzen Trophäensammlung von Aufnahmen, wie jeder Sammler, der eine Kamera benutzt. Die Kamera ist ein sehr gutes Gewehr! Sie liefert mir die Motive für meine Arbeit als Künstlerin. In Variation setze ich Fotografiertes ein, reduziere es auf Zeichnungen, filtriere Motive aus ihnen heraus und verwende diese mehrmals in verschiedenen Kontexten. Dabei entstehen aus alten Bildern neue Bedeutungszusammenhänge. Dieses Verfahren nenne ich kontextuelles Recycling. Recycling ist ein elementarer Begriff für meine Arbeit als Künstlerin.

 

Aus künstlerischem Interesse beschäftige ich mich seit langer Zeit eingehend mit Werbung, ihren Bildern und ihrer Ästhetik. Dabei ist mir immer bewusster geworden, dass Konsumieren bewusstlos macht, ja, dass Konsumieren bewusstlos machen muss, weil wir sonst an dem ganzen Müll, den die Konsumwelt produziert, ersticken würden. Dabei spreche ich nicht nur von dem Müll im Müllbeutel, sondern auch vom Müll, der von den Werbeflächen und Werbescreens auf uns herab fällt, der uns den lieben langen Tag umgibt, einhüllt, einlullt und uns den Raum zur Ruhe raubt.

 

Diese mentale Umweltverschmutzung gilt es zu bekämpfen, denn sie macht dumpf und gleichgültig gegenüber der Welt, in der wir leben. Zu diesem Zweck benutze ich die Ästhetik der Werbung und entreiße Werbebilder ihrem ursprünglichen Kontext, um sie anschließend in Naturidyllen zu platzieren. Somit verschmelzen Natur und Werbesprache zu einer neuen Bildwirklichkeit, in welcher der Betrachter sich von den Mühen des Alltags erholen kann, ohne gleich an das Konsumieren bestimmter Produkte erinnert zu werden. Geistige Erholung statt Kaufsucht!

 

 

Salla Kuhmo, Oktober 2009